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DONOTS im Interview

Über ihren Anfang und die Herausforderung, 20 Jahre später, auf Deutsch zu singen

© by @typxtatse

(Achtung! Dieses Interview beinhaltet ein paar Schimpfwörter, nix dramatisches, aber immerhin. Das ist Punk-Rock, baby!!)

Zum 20. Jubiläum haben die DONOTS 2014 zum ersten Mal eine Single in ihrer Muttersprache veröffentlicht. Das Feedback von den Fans war überwältigend und das zehnte Album ist nun komplett auf Deutsch erschienen.

Das wichtigste am Anfang ist, dass du spielst! Dass du Erfahrung sammelst auf der Bühne zu stehen und dass die Leute dich sehen können, live.

Sie sind gerade mit Karacho auf Tour durch Europa und ich habe die DONOTS kurz vor Weihnachten bei ihrem Konzert in der Wiener Arena getroffen.

Ich habe ihnen erst kurz erzählt, was Global Rockstar ist und was wir machen. Unter anderem habe ich erwähnt, dass Global Rockstar 2015 – die dritte Ausgabe des größten online Music Contest der Welt – gerade zu Ende gegangen ist, und dass Methedras gewonnen hat, eine Trash Metal Band aus Mailand…

DONOTS: Yes!!

Nicht nur! Zweitplatzierte war Ani Lozanova, eine Heavy Metal Sängerin aus Deutschland…

YEAH!!!

Eine Ballade schaffte „nur“ den dritten Platz…

Haha! Wenn Trash Metal auf eins ist, dann ist die Welt noch nicht im Arsch! (Alle lachen)

Wenn ich jemanden treffe, der in der Musikbranche so erfolgreich ist, frage ich immer gerne nach der eigenen Erfahrung bezüglich dem Weg zum Erfolg…

Alles klar!

Ich beginne mit der üblichen Frage: warum seid ihr Musiker geworden und was wäre aus euch geworden, wenn nicht Musik?

Ich glaube, wir sind Musiker aus Langeweile geworden! Wir waren gelangweilte Teenagers und wir haben nach irgendetwas gesucht, was wir zusammen machen könnten. Es konnte auch keiner von uns ein Instrument spielen. Wir haben damals in dem Jugendzentrum in Ibbenbüren, unsere Heimatstadt, angefangen.

Es war 1994 und wir hatten irgendwie Bock auf die gleiche Musik… wir haben Bad Religion gehört, The Clash, die Sex Pistols, Nirvana – natürlich zu der Zeit ist keiner vorbei gekommen – und wir haben angefangen diese Bands zu covern, um überhaupt ein bisschen Klarheit zu bekommen. Wir haben aber relativ schnell eigene Songs geschrieben… und die waren gar nicht gut! Gar nicht gut!

Es gibt ein Video von unserem allerersten Auftritt – furchtbar! Wir haben einmal gegen die Toten Hosen bei einer MTV Aktion Tennis gespielt. Der Einsatz bei den Toten Hosen war ein Echo Award und wir haben dieses Video gesetzt – wenn wir verloren hätten, hätten sie das gekriegt – und sofort veröffentlicht!! Gott sei Dank haben wir unentschieden gespielt und wegen Dunkelheit abgebrochen.

Du bist immer am besten, wenn du genau das machst, was du am besten kannst.

Ist das Video nun im Garten begraben?

Hehe, ja ja!

Wichtig war am Anfang das Jugendzentrum Scheune, dass uns aufgenommen hat. Wir hatten einen Proberaum und wir haben die gefühlten ersten zehn Jahre nur da gespielt. Es gab mal Musiker Austausch – mit Holländern, oder mit anderen Städten in Deutschland… aber das Wichtigste am Anfang ist, dass du spielst! Dass du Erfahrung sammelst auf der Bühne zu stehen und dass die Leute dich sehen können, live.

Das ist unglaublich wichtig, du kannst so viele Platten aufnehmen oder Songs im Internet haben… was letztendlich passieren muss, ist dass die Leute dich live sehen. Weil das berührt einen. Das kann man sich nicht umsonst downloaden, das muss man sich angucken… genau das haben wir am Anfang gemacht – wie die Blöden – und fast immer im selben Club gespielt!

Das heißt, man sollte alles daran setzen, Kontakte und Verbindungen zu knüpfen, um live zu spielen?

Natürlich! Wir haben angefangen zu einer Zeit – man muss es auch erwähnen – wo es kein Internet gab. Ich habe damals das Booking für unsere Band selbst gemacht, ich bin ganze Nachmittage nur herum gesessen und habe in englischen Magazinen geblättert. Ich habe geschaut, welche größere internationale Band spielt auf ihrer Tour den kleinstmöglichen Club. Das ist immer die Schnittstelle gewesen, an die eine junge kleine Band ran kommen konnte – eine Chance hat! Zum Beispiel: Lagwagon spielen in einem Mini-Jugendzentrum… ich habe im Telefonbuch geschaut oder bei der Auskunft angerufen und gefragt, gibt es eine Telefonnummer oder eine Faxnummer von dem Club? Dann habe ich ein Fax geschickt! Oder angerufen und probiert, den Jugendzentrumsleiter ans Telefon zu bekommen, um zu sagen

Hallo wir sind eine junge Band, wir würden sehr gerne als Support für Lagwagon spielen, ihr müsst uns auch nicht bezahlen, wär toll wenn wir Spritgeld bekommen, wenn nicht ist auch egal… wir würden einfach gerne spielen!

Hat das oft geklappt?

Oft nicht! Aber manchmal ja!

Ist sowieso immer eine Sache der Statistik!

Es waren auch die Shows wo wir auf einmal, in den jeweiligen Regionen wo wir waren, neue Leute erreicht haben – und zwar viele neue Leute! Dann konnten wir uns erlauben, alleine wieder zu kommen, um den kleinen Club zu bespielen!

Es ist heutzutage nicht mehr vergleichbar, jede Band und jeder Club ist im Internet zu finden… ich glaube, wenn ich heutzutage einen Club leiten würde, wäre ich nur angekotzt von der Lawine e-Mails von Bands, die sagen: Hey! Wir sind die neue geilste Band!

Um als Band Erfolg zu haben, man muss natürlich Talent haben…

Verdammt! Das war’s… (alle lachen)

Welche Eigenschaften sollte eine Person für eine Karriere in der Musikindustrie mitbringen?

Ausdauer! Ausdauer ist wahnsinnig wichtig. Und du muss immer deinen eigenen Weg finden und dem auch treu bleiben. Ich glaube wenn du Fähnchen-nach-dem-Wind-Musik machst… das merken die Leute! Wenn du guckst, was ist gerade angesagt? und Ah, das machen wir dann auch!… das wird nie funktionieren. Du musst deinen Weg finden und diesen auch gehen.

Du bist immer am besten, wenn du genau das machst, was du am besten kannst. Wenn du dich hinter einer verrückten Frisur verstecken musst, weil du keinen Song zusammenkriegst oder wenn du länger vorm Spiegel stehst als im Proberaum… dann läuft irgendwas komplett falsch! Das läuft so nicht, es kann kurzfristig ein paar Wellen schlagen aber es ist nichts, was langfristig funktioniert.

Das ist auch was mich an Punk-Rock, an dieser Subkultur, am meisten interessiert hat: der Gestus, dass wenn man was erreichen will, muss man das selbst machen. DIY-Spirit!

Wenn du in deinem Proberaum sitzt und wie in Wayne’s World wartest, dass Frankie Sharp von Sharp Records mit seiner Stretch-Limo vorbei fährt, zufällig ist das Fenster offen und Oh geil! Da probt eine Band, ich guck mal, jetzt kriegen sie einen Plattenvertrag!… das wird so nicht passieren :-(

Die ersten paar Platten haben wir selbst rausgebracht, das Booking selbst gemacht und wir sind auch heutzutage richtig ätzende control freaks. Es ist auch gar nicht so einfach mit uns zu arbeiten – selbst wenn alle sagen, wir sind eine nette Band. Wir sind ganz nette und umgängliche Typen, aber wenn es um unsere Musik geht, sind wir schon sehr sehr Zielgerichtet und möchten ziemlich genau wissen, was damit passiert.

Eine ganz wichtige Charaktereigenschaft ist auch, man darf sich nicht zu ernst nehmen! Man sollte was man macht ernst nehmen aber man darf sich selbst nicht so ernst nehmen.

Wir sind erstmals Freunde und dann eine Band.

1994 gegründet, erste eigene Tour 1998, der echte Durchbruch 2001 mit Pocketrock. Mittlerweile waren sieben Jahre vergangen. Wann war der Moment, für euch selbst, wo ihr gedacht habt Ich hab’s geschafft!?

Ich hoffe der kommt noch!! (Alle lachen)

Ich finde den Ausdruck so komisch… was hat denn man geschafft?

Naja, ich weiß nicht wie ihr diese Idee im Kopf formuliert, aber irgendwann kommt der Moment wo man sagen kann Ich bin ein Musiker! Ich lebe davon!

Ich würde für mich sagen, ich bin kein Musiker… wir sind, wie auch immer per Zufall, eine Band… aber erstmals Freunde! Und dann eine Band.

Es gab mal diesen Moment, wo wir uns entscheiden mussten, machen wir das Studium weiter oder machen wir mit der Band weiter. Wir hatten nicht genug Zeit für beides, mit Pflichtkursen und so. Wir haben damals gedacht

Pass auf, wir sind sehr jung, wir legen das Studium erstmal auf Eis, dass tut uns allen nicht weh, wir probieren es zwei-drei Jahre, wenn es gut läuft ist es gut, wenn nicht studieren wir alle wieder.

….und es ist seitdem gut gelaufen!

Wir werden oft von jungen Bands gefragt, Wie schafft man erfolgreich zu werden? und ich denke immer, was ist das für eine komische Frage?! Für mich persönlich definiert sich Erfolg mit die Tatsache, dass wir fünf Leute sind, die sich noch nach 20 Jahren kreativ gut aufeinander einlassen können und die Mega-Hart-Bock darauf haben, zusammen zu sein und Musik zu machen!

Oft kommt diese Frage von jungen Bands, die wissen wollen, Wie verkauft man ganz viele Platten? Wie schafft man eine Chart-Platzierung? Wenn du als Newcomer so anfängst und dir darüber Gedanken machst, ganz ehrlich, das fängt an der falschen Seite an, Freund! Spiel doch erstmal!!

Wenn Erfolg kommt, ist er ein netter Nebeneffekt, aber das darf nicht das Ziel einer Band sein. Wenn das dein Ziel ist, dann bist du einer von den Bands, die sofort, wenn ein Label sagt wir signen euch aber ihr müsst diese und jene Klamotten tragen und die Musik spielen, ein Spielzeug der Industrie werden. Und das will keiner sein.

Letztes Jahr, bei Global Rockstar 2014, haben wir per Zufall mitbekommen, dass die Gewinner aus Österreich Laurin&Nico, dank der Contest Aufmerksamkeit, in Japan in den Charts gelandet sind! Ich glaube, ihr seid auch, ohne es zu wissen, in Japan erfolgreich gewesen. Wie geht man damit um?

Das war bei uns genau das Gleiche! Wir haben es über Umwege erfahren.

Wir waren in New York, 2003, auf der CMJ – eine Messe – und wollten im Hotel einchecken. Wir hatten unsere Gitarren dabei und in der Lobby kam ein japanischer Typ auf uns zu. Er hat gefragt, ob wir auch auf der Messe spielen und woher wir kommen und wie wir heißen…

DONOTS?! Oh krass! In Japan kennt man euch total, die Kids hören euch total, ihr seid im Radio!

Alles war in einem sehr gebrochenen Englisch und als er weggegangen ist, haben wir gedacht, Haben wir jetzt richtig verstanden? Was war jetzt? Völliger Quatsch, das kann nicht sein!

Kurze Zeit später meinte Ingo Doch, ich kriege in letzter Zeit – es war der Anfang von Emails und so – immer wieder Post aus Japan, da scheint irgendwas zu laufen…

Und tatsächlich, im Juni waren wir dann zum ersten Mal in Japan auf Tour und haben festgestellt, wir sind wirklich in den Charts mit irgendwelchen Import-CDs. Die Radios haben uns gespielt, wir hatten sogar einen kleinen Hit – ohne es zu wissen!

Und dann ist Amplify the Good Times rausgekommen und ist sofort von null auf zwei in den Internationalen Charts gegangen, was völlig merkwürdig war… Whitney Huston war einen Platz hinter uns! Völlig bescheuert!!

Eine tolle Sache. Ich wusste aber nicht, wie man so was forcieren kann… aber wir haben es dann verwertet…

Wie?

Wir haben unser eigenes Label in Japan gegründet, Solitary Man Records.

Um den Markt richtig zu verfolgen?

Eigentlich um Bands rauszubringen, die in Japan offiziell nicht zu haben waren.

Jedes Mal, wenn wir in Japan auf Tour waren, haben wir Plattenläden durchsucht und tatsächlich festgestellt, dass viele Bands in Japan nicht offiziell zu haben waren. Ganz tolle Bands, wie die Beatstakes oder Dover aus Spanien, waren immer in der Import-Schublade. Für horrende Preise!

Wir haben überlegt, wir könnten in Japan ein Label aufmachen, um Bands, die es sonst nur via Import gibt, offiziell zu releasen. Wir haben kurze Dienstwege und können viele Bands direkt ansprechen. Wir haben dort Künstler und Bansds wie Dropkick Murphys, Boysetsfire… alle möglichen großen Bands, bis hin zu Placebo rausgebracht. Es war echt toll!

Zum zwanzigsten Jubiläum kam zum ersten Mal eine deutschsprachige Single. Und ein Jahr danach Karacho, das erste komplette deutschsprachige Album. Hier in Österreich haben wir in den letzten Jahren eine wahre Wiederbelebung der Österreichischen Musik erlebt…

Bilderbuch, Wanda…

Genau! Warum 20 Jahre Englisch und nun plötzlich Deutsch? Ist es Zeitgeist? Deutsch is in the air? Oder ist es euer persönlicher Geist?

Wir haben angefangen Musik auf Englisch zu machen, weil wir alle kalifornischen Punk Rock gehört haben und es war am Anfang für uns klar, wir singen Englisch. Es war natürlich.

Es war auch das Gestus damals, viele Punk Rock Bands aus Deutschland haben Englisch gesungen. Die Szene war so und wir haben es nie im Frage gestellt. Auch wenn unsere Plattensammlungen zuhause mit ganz vielen deutschsprachigen Bands bestückt waren, wir haben Die Kassierer, Die Toten Hosen oder Die Ärzte gecovert.

Nach 20 Jahren haben wir uns gedacht, lass uns es einmal probieren! Einfach aus Spaß! Einfach aus Bock!

Nach etwas neuem?

Ja, damit es für uns als Band immer spannend bleibt.

Ich bin Italienerin und muss mir hundert Mal am Tag anhören, wie musikalisch Italienisch ist. Ich persönlich finde, dass gewisse Sprachen besser zu gewissen Musikgenres passen…

Ja, definitiv!

Deutsche Bands, auch wenn sie über Liebe singen, klingen immer so brutal. Das ist aber richtig für eine Punk Band! Du fühlst dich immer bei der Musik latent angespuckt.

Was ändert sich an der Musik, wenn man in einer anderen Sprache singt?

Wir haben gemerkt, dass die deutsche Sprache direkter ist und somit ist auch die ganze Platte musikalisch direkter geworden. Die Deutsche Sprache ist mehrsilbiger, deswegen hast du mehr Staccato, du kannst mit dem Gesang mehr Gas geben. Ich würde sagen, die Platte ist aggressiver als normalerweise, mehr aufs Maul.

Wir haben Karacho auch auf Englisch aufgenommen, für Japan und USA. Bei den Gesangsaufnahmen war es abgefahren: der gleiche Song, mit dem gleichen Text, nur übersetzt, hat in den zwei Sprachen zwei völlig unterschiedliche Grundeinstellungen! Einige Songs funktionieren auf Deutsch besser, andere finde ich sogar auf Englisch besser. Andere gehen eigentlich nicht so richtig gut, und es ist wirklich abgefahren weil es ist der gleiche Text, es ist nur die Sprache die sich ändert. Und trotzdem ist die Auslage komplett anders!

Die englische Sprache fließt ein bisschen mehr, ein bisschen wie Italienisch, das immer gesungen klingt. Und Deutsch klingt immer als würde jemand mit dir schimpfen! Deutsche Bands, auch wenn sie über Liebe singen, klingen immer so brutal. Es ist aber richtig für eine Punk Band! Du fühlst du dich immer bei der Musik latent angespuckt.

Die Aussprache auf Deutsch kann fast zu direkt sein, irgendwie klingt es auch ein bisschen dumm: wenn du zu schnell singst, wird schnell alles verpackt und verschachtelt. Da versteckt man sich hinter der eigenen Sprache…

Kann es sein, dass diese Direktheit in der Tatsache liegt, dass es die Muttersprache ist, und wenn man auf Englisch schreibt oder singt, immer eine Art Filter dazwischen ist?

Auf jedem Fall! Auf Deutsch kannst du dich selbst nicht verarschen! Du verstehst ja jedes Wort. Es ist auch schon passiert, dass der Text auf dem Papier super funktioniert, dann fängst du an zu singen und es klingt Scheiße. Dann kann man auch nicht viel machen, man muss es ändern. Dann hat man aber den Sinn nicht mehr so richtig…weil auf Deutsch merkt man eher, dass die Bedeutung sich leicht geändert hat. Die eigene Sprache verzeiht viel weniger.

Um zurück zur Frage warum Deutsch? zu kommen, es ist auch einfach passiert. Wir wollten eigentlich zu unserem Jubiläum ein-zwei Songs rausbringen und es sollte was besonders sein. Also haben wir überlegt, es auf Deutsch zu machen. Wir sind ins Studio gegangen und der Anfang war holprig. Letztendlich ist wirklich mit dem ersten Song im Album – Ich mach nicht mehr mit – der als erstes fertig war, der Knoten geplatzt. Nun wussten wir, wo wir hin wollten.

Danke Jungs, es war mir ein Vergnügen!

Uns auch! :-)

Written by Monica Mel

Global Rockstar magazine editor

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